Liebherr nutzt WAGNER-Equipment für die Kran-Beschichtung

24.11.2016, von Katja Villnow

 

November 2016


Die Beschichtung großer Werkstücke stellt die Hersteller vor ebensolche Herausforderungen. So suchte das Liebherr-Werk Ehingen nach einer maßgeschneiderten Lösung für die Lackierung der bis zu 15 Meter langen Bauteile seiner Teleskop- und Gittermastkrane. Seit Oktober 2016 ist dort nun eine beeindruckende Lackierstrecke in Betrieb, die mit vier Lackierkabinen, mehreren 1.000-Liter-Farbcontainern, über 2.000 Meter Leitungen, 35 Pumpen und fünf Misch- und Dosieranlagen von WAGNER ausgestattet ist. Projektiert, geliefert, montiert und in Betrieb gesetzt wurde die Anlage von der Thüma Maschinenbau und Service GmbH aus Gotha.

Gute Erfahrungen treffen auf gute Beratung

Im Vorfeld des Projekts hatte Liebherr sowohl mit Thüma als auch mit den WAGNER-Produkten gute Erfahrungen gesammelt. Zudem hob sich Thüma mit einem durchdachten Anlagenkonzept vom Wettbewerb ab. „Thüma und WAGNER haben eng mit uns zusammengearbeitet und uns kompetent unterstützt. So konnten wir zum Beispiel über mehrere Monate eine Versuchsanlage testen. Die Beratung, der Service und die Produkte haben uns letztendlich überzeugt“, berichtet Thomas Nüssle, Leiter Werksplanung bei Liebherr.


Innovatives Ringleitungskonzept

Die Gesamtanlage besteht aus einer zentralen Container-Farbversorgung und vier Lackierkabinen. Im Farbversorgungsraum werden Grundierung, Decklack, Härter und Verdünner in 1.000-Liter-Containern angeliefert, aufgerührt und in separaten Edelstahl-Arbeitsbehältern für die Verarbeitung bereitgestellt. Sieben WAGNER-Pumpen vom Typ Puma 8-300 transportieren die Komponenten mit Niederdruck über Rohrleitungssysteme zu den Lackierkabinen. „Um die großen Entfernungen zwischen der Farbversorgung und den Lackierkabinen zu überbrücken und alle zehn Lackierpistolen gleichmäßig versorgen zu können, haben wir ein innovatives Ringleitungskonzept mit einer Umschaltung zwischen Vorlauf- und Rücklauf-Leitungsrohr konstruiert“, erklärt Tino Seifert, Geschäftsführer bei Thüma. An den Kabinen erhöhen 28 IceBreaker-Hochdruckpumpen von WAGNER den Druck der Materialien und versorgen die fünf Misch- und Dosieranlagen vom Typ 2K COMFORT. Für die Verarbeitung von Sonderfarbtönen wurde unmittelbar neben jeder 2K COMFORT eine zusätzliche Hochdruckpumpe installiert. Eine der vier Lackierkabine, welche mit 26 x 9 Meter wesentlich größer ist als die drei anderen, wurde mit zwei Misch- und Dosieranlagen, leistungsstärkeren Pumpen und mit vier statt zwei Lackierpistolen ausgestattet.


„Einmischung“ erwünscht

Eine Besonderheit des Anlagenkonzeptes ist, dass in jeder 2K-Misch- und Dosieranlage geringe Mengen des späteren Decklacks in die Grundierung eingemischt werden können. Damit wird die weiße oder graue Grundierung so eingefärbt, dass der spätere Decklackauftrag optimiert wird und am Ende brillanter wirkt. „Eigentlich ist die COMFORT ein 2K-System. Die WAGNER Entwicklungsabteilung hat auf dieser Basis eine 3K-Variante entwickelt. Dabei wird nicht nur die Einspritzung des Härters automatisch über das AIS-Dosiersystem gesteuert, sondern auch die Menge des Decklacks“, erläutert Tino Seifert. Zusätzlich zu der bei Liebherr eingesetzten 3K-Version brachte WAGNER im März 2016 eine weitere Variante der Misch- und Dosieranlage auf den Markt: die 2K COMFORT mit zwei Fluidkreisen, mit der sich zwei verschiedene Materialien mit nur einer Anlage gleichzeitig applizieren lassen.

Dabei begann die Planung des Projekts bereits 2012. Im Rahmen einer detaillierten Feinplanung konnten wichtige Optimierungspunkte umgesetzt werden, was zu einer reibungslosen Inbetriebnahme im Oktober 2016 führte. Mit der Anschaffung der Anlage verfolgte Liebherr das Ziel, den technologischen Fortschritt zu nutzen und eine ressourcenschonende Lackierstrecke in Betrieb zu nehmen. Zudem ist es heute durch die zentrale Datenerfassung möglich, Zeiten, Lackiermengen je Projekt und auch Durchflussmengen zu erfassen und in einer VOC-Bilanz auszuwerten. „Thüma und WAGNER haben uns durch den ganzen Prozess begleitet und uns ihr Know-how zur Verfügung gestellt. Das war ein entscheidender Erfolgsfaktor“, so Thomas Nüssle. „Nach aller Voraussicht wird sich die enge Zusammenarbeit auch in Zukunft fortsetzen.“